| Sieben lange
Jahre mußten die Menschen dieses Landes ohne den Klang
der Pummerin auskommen. Am 26. April 1952 traf dann die neue
Glocke, die in St. Florian aus den Trümmern der alten
Pummerin gegossen wurde, in Wien ein. Ein provisorischer Glockenturm
im Bauhof der Dombauhütte diente ihr als vorübergehende
Wohnstatt. Erst am 13. Oktober 1957 wurde sie in den speziell
mit einer Stahlbetonkonstruktion versehenen Nordturm aufgezogen
und nach dem Evangelium ließ sie von hier aus wieder
ihre Stimme erklingen.
Mit dem Aufzug gelangt man auf den Nordturm
und wird zuerst mit einem herrlichen Panoramablick über
die Dächer Wiens belohnt. Über ein paar Stufen kommt
man dann zur Pummerin. Und da hängt sie: prachtvoll und
imposant. Im Gedenken an das Jahr 1683 zeigt ein Relief eine
Szene der Türkenbelagerung, eines den Brand von 1945
und das dritte die Mutter Gottes. Etwas makaber mutet allerdings
die mit sechs Türkenköpfen versehen Krone an.
Die Inschrift zum Türkenrelief lautet:
Gegossen bin ich aus der Beute der Türken, als die ausgeblutete
Stadt nach tapferer Überwindung der feindlichen Macht
jubilierte. Dem Brand des Domes gilt der Text: Geborsten bin
ich in der Glut des Brandes. Ich stürzte aus dem verwüsteten
Turm, als die Stadt unter Krieg und Ängsten seufzte.
Die Weiheschrift besagt: Wiederhergestellt unter Kardinal
Theodor Innitzer, über Bemühung von Heinrich Gleißner
durch den Werkmeister Karl Geisz. Geweiht der Königin
von Österreich, damit ihre mächtige Fürbitte
Friede sei in Freiheit.
Von dieser Glocke geht eine eigenartige
Faszination, etwas Geheimnisvolles aus. Man spürt und
fühlt, ohne daß man es erklären kann, daß
hier etwas Großes, Tiefes dahinter steht – ein
Stück österreichischer Geschichte und, man kann
es ohne Übertreibung sagen, des christlichen Abendlandes.
Die Pummerin läutet selten, aber wenn sie läutet,
dann halten die Menschen inne und horchen auf, denn sie läutet
nur zu besonderen Anlässen: ihre Stimme erklingt zum
Tod und zur Inthronisation des Papstes, wie auch des Erzbischofs
von Wien. Sie läutet zu Allerseelen für die Gefallenen
des 2. Weltkrieges und läutet alle hohen Feste des Kirchenjahres
ein: die Osternacht, Pfingsten, Fronleichnam, Maria Himmelfahrt,
den Hl. Abend, den Stephanitag und den Jahreswechsel.
Die Stimmen der Glocken von St. Stephan
und ganz besonders die Stimme der Pummerin begleiten auch
heute noch das Leben der Menschen dieses Landes in Freude
und Leid, wie von alters her.
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